Bericht der Zeitung "Kultur Begegnungen" November 2014

Foto von Petra Kurbjuhn
Foto von Petra Kurbjuhn

mit freundlicher Genehmigung von Kulturvision

Heiter bis ernst Die Theaterbühne Warngau

 

Sechs Jahre lang ruhte die Theatergruppe Warngau und dann kam 2012 der Knaller. Mit dem Thoma-Stück „Josef Filser“ auf drei Bühnen und mit 25 Darstellern gab es einen durchschlagenden Erfolg. Verantwortlich dafür ist in hohem Maße Hubert Holzner.

Eigentlich habe er sich vom Theater zurückziehen wollen, sagt der Gründer der „Bayerischen Komödie am Tegernsee“, der als Regisseur und Schauspieler seit 1980 unterwegs war und noch heute fast täglich im Privatfernsehen auf dem Heimatkanal zu sehen ist. Aber schließlich sei Warngau seine Heimatgemeinde und so ließ sich der Profi überreden, die Laientheatergruppe unter dem neuen Namen Theaterbühne Warngau wieder zu beleben. Aber was Richtiges habe es sein sollen und so schulterten sie gemeinsam das organisatorisch und logistisch schwere Filserstück.

 

„Mir geht es darum, dass im Ort das langjährige Laientheater fortbesteht“, sagt Hubert Holzner. Man wolle die Leute in der guten bayerischen Tradition des Volkstheaters unterhalten. Sein Anspruch sei nicht große Literatur oder Erziehung, sondern er wolle Vergnügen bescheren. Diese Art von Theater lebe von der Spielfreude und Natürlichkeit der Darsteller, die mit Herzblut an die Sache herangehen.

 

Kombiniert mit der Routine des erfahrenen Schauspielers und Regisseurs entstehen so Aufführungen, die durch ihre Professionalität überraschen und gleichzeitig das Natürliche, Spontane beibehalten. Das gelingt durch die richtige Besetzung der Rollen. Unvergesslich bleibt Karin Schwarzer im Stück von 2013 „Das sündige Dorf“. Wie sie mit einem naiv-unbedarftem Lächeln ins Publikum schaute, das war einfach unbeschreiblich. „Der Karin macht das eben gar nichts aus“, lacht Holzner.

 

Er hat sich seine Erfahrungen zumeist abgeschaut und durch „learning by doing“ beigebracht. Denn eigentlich ist Holzner gelernter Elektriker. Aber seine Frau war am Tegernseer Volkstheater und eines Tages habe ihn Intendant Lothar Kern gefragt, ob er eine kleine Rolle übernehmen wolle. „Und dann bin ich hängen geblieben“, erzählt er. Erst nebenbei, später hauptberuflich und bald habe er sein eigenes Theater gegründet, mit dem er auf Tournee gegangen sei. 250 Vorstellungen im Jahr von Bad Reichenhall bis Ostfriesland, 20 Jahre lang, dazwischen Film- und Fernsehrollen, ein reiches Leben. Als aber die Kinder die Eltern brauchten, machte er Schluss. „Wir sind ins bürgerliche Leben zurückgekehrt“, lächelt Holzner. Aber ganz konnte er es nicht lassen und gastiert bis heute bei der Ludwig-Thoma-Bühne.

 

Und er brachte das Warngauer Theater in Schwung. Für dieses Jahr hat der Verein eine Umfrage im Internet gemacht, bei dem die Warngauer über das Stück abstimmen konnten. Der Sieger ist „Der Hallodri“ von Peter Knarr, der aber unter dem Titel „Eine tolle Nacht im Goldenen Hahn“ aufgeführt wird. „Da wird zwei Stunden nur gelogen“, kündigt Holzner an.

 

Aber er will nicht bei den Komödien stehen bleiben. Wenn es langfristig funktionieren solle, dann müsse man die Zuschauer zum einen überraschen und zum anderen auch deren Geld in Investitionen, wie Bühnenbild, Kostüme und Technik stecken. Der Saal in der Post brauche eine Beschallung, sagt Holzner, denn die Aussprache der Laien sei nun einmal nicht klassisch. Und er hat einen hohen Anspruch, das Publikum soll für sein Geld etwas Anständiges bekommen.

Zum anderen plant Holzner neben dem weihnachtlichen Schwank zu Ostern eine ernste Aufführung. „Wir wollen einen Kontrast setzen“, sagt er. „Magdalena“ von Ludwig Thoma passe sehr gut in die Passionszeit. Zudem habe er etwa 15 Schauspieler sehr unterschiedlichen Typs und könne so alle typgerecht einsetzen.

 

Was das Warngauer Theater zudem auszeichnet sind die Musikeinlagen und so möchte Hubert Holzner auch ein bairisches Musical machen. Er selbst spielt immer mit. „Ich will die Fäden in der Hand haben“, begründet er. Und eine große Freude ist dem ehemaligen Fußballtrainer die Arbeit mit jungen Menschen. „Die lernen hier Sozialverhalten“, sagt er.

Und letztlich ist die Zusammenarbeit mit Wirtin Petra Spiegler „ein Traum“, wie Holzner schwärmt. Und so können Theaterfreunde nicht nur Weihnachten und Ostern, sondern auch den Silvesterabend kulturell umrahmt genießen.

 

MZ